Handlungsfeld Lieferkette 2018-11-19T09:35:07+00:00

VERANTWORTUNG IN DER LIEFERKETTE

Ihre Stakeholder erwarten es, die ISO 14001 und EMAS gehen darauf ein und sogar ihre B2B-Kunden fragen immer häufiger danach: Was unternehmen Sie in Sachen Umweltschutz und sozialer Verantwortung bei Ihrer Beschaffung? Wie gut kennen Sie Ihre Lieferkette? Und wie stellen Sie sicher, dass die Produkte und Materialien, die Sie einkaufen, nicht nur bei Qualität und Preis passen, sondern auch unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt werden? […]

Darum geht es bei menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und nachhaltiger Beschaffung

Nachhaltige Beschaffung ist häufig eine Herausforderung, wenn Sie Waren und Vorprodukte in kritischen Entwicklungs- und Schwellenländen beschaffen. Das betrifft vor allem Länder in Asien und Afrika, aber auch die Türkei und gelegentlich noch osteuropäische Staaten. Hier sind deutsche Unternehmen gefordert, sich ein Bild davon zu verschaffen, ob über ihre ganze Lieferkette hinweg ökologische und soziale Mindeststandards und menschenwürdige Arbeitsbedingungen eingehalten werden.

Darum sollten Sie sich um eine nachhaltige Beschaffung kümmern

Unternehmerische Nachhaltigkeit heißt, dass Sie Ihr Kerngeschäft unter Beachtung ökologischer und sozialer Auswirkungen sowie mittels einer guten Unternehmensführung verantwortlich betreiben. Diese Verantwortung macht nicht an Ihren Unternehmensgrenzen Halt, sondern umfasst verstärkt auch Ihre ganze Lieferkette .

  • Sie begegnen den wachsenden Anforderungen von Staat, Kapitalmarkt, kritischen Gruppen und Kunden – vor allem im B2B-Bereich.
  • Sie minimieren so die Gefahr, dass grundlegende soziale und ökologische Mindeststandards in der Lieferkette nicht eingehalten werden.
  • Sie schaffen Grundlagen für Einsparungspotenziale bei den Lieferanten, von denen Ihr Unternehmen mittelfristig mit besseren Einkaufspreisen profitieren kann.
  • Sie erhöhen die Qualität und die Effizienz in den Lieferantenbeziehungen.

Sie erreichen mit Ihrem Engagement ein besseres Image in der Öffentlichkeit sowie bei Kunden und Mitarbeitern.

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ANALYSE IHRER LIEFERKETTE

Bei der Analyse Ihres Beschaffungsmanagements ging es vor allem um drei Fragen: Wie sind die Beschaffungsprozesse in Ihrem Unternehmen gestaltet? Wer sind die einzelnen Akteure in Ihrer Lieferkette? Und wo gibt es ökologische und soziale Risiken in Ihrer Lieferkette? […]

 

Analysieren Sie Ihr eigenes Beschaffungsmanagement

Bevor Sie Maßnahmen für die Zukunft planen, ist der Blick darauf, was Sie heute bereits tun, unerlässlich. Dazu sollten Sie folgende Punkte in Ihrem Unternehmen klären:

Stakeholder: Kennen Sie Stakeholder Ihres Unternehmens, die sich für Beschaffung und Lieferkette Ihres Unternehmens interessieren? Beispiele hierfür könnten B2B-Kunden oder kritische Gruppen sein.

Unternehmensleitbild: Spielen im Leitbild Ihres Unternehmens Nachhaltigkeit und speziell Anforderungen der Nachhaltigen Beschaffung eine Rolle?

Strategie und Maßnahmen: Sind ökologische und soziale Aspekte in Ihrer Beschaffungsstrategie berücksichtigt? Haben Sie entsprechende Vorgaben an Ihre Lieferanten?

Verhaltenskodex für Lieferanten: Werden Zulieferbetriebe ganz konkret zu sozialen und ökologischen Anforderungen verpflichtet?

Handlungsanweisungen: Bestehen Dokumente, die konkrete Vorgehensweisen für ein nachhaltiges Beschaffungsmanagement intern und für Lieferanten beschreiben und regeln?

Überprüfung und Qualifikation von Lieferanten: Checken Sie Ihre Lieferanten bereits auf soziale und ökologische Anforderungen, beispielsweise durch Self Assessments von Lieferanten oder Audits? Unterstützen Sie Lieferanten dabei, soziale und ökologische Mindestanforderungen zu erfüllen?

 

Erfassen und analysieren Sie Ihre Lieferkette

Mit der Lieferkettenanalyse erhalten Sie einen Überblick über die einzelnen Akteure in Ihrer Lieferkette. Dann können Sie anschließend eher einschätzen, ob ein Lieferant aus einem „Risikoland“ stammt oder zu einer „Risikobranche“ gehört.

Dazu sollten Sie möglichst folgende Informationen zu Ihren Lieferanten erfassen:

  • Firmenname
  • Rechtsform
  • Genaue Anschrift der Produktionsstätte(n)
  • Kontaktperson
  • Land
  • Branche
  • Stufe in der Lieferkette (Verarbeitung, Transport, etc.)
  • Anzahl Mitarbeiter
  • Umsatz
  • Ihr Beschaffungsvolumen mit diesem Lieferanten
  • Vorliegende Zertifikate, Audits und Mitgliedschaften wie ISO 9001, ISO 14001, SA8000, Global Compact, ETI, BSCI, FLA, SA 8000.
  • Wenn möglich Unterlieferantenstruktur sowie Angaben über Produktionsstandorte und Subunternehmer

Die Lieferkette ist nicht selten sehr komplex und nur wenige Unternehmen haben von Beginn an einen vollständigen Überblick. Gerade bei Subunternehmen der eigentlichen, Ihnen bekannten Lieferanten hört die Transparenz meist auf. Beginnen Sie daher mit den wichtigsten Zulieferbetrieben und direkten Partnern in der Lieferkette.

Nutzen Sie dann deren Unterstützung, um sich durch die Lieferkette vorzuarbeiten und so die erforderlichen Informationen schrittweise zu erhalten.

 

Sammeln Sie Informationen über Risikobranchen und Risikoländer

Gerade für KMU erscheint es zunächst viel zu aufwendig, sich ausreichende und belastbare Informationen über besonders riskante Beschaffungsländer oder Branchen zu besorgen. Aber zum Glück können Sie dabei auf wertvolle Expertise zurückgreifen. Schließlich müssen Sie Ihre Lieferanten ja bewerten, um die Ressourcen, die Ihnen zur Verfügung stehen, auf wichtige Lieferanten und auf solche zu konzentrieren, die einem besonderen Risiko unterliegen.

Zunächst gilt es herauszufinden, ob Ihre Produkte in einem Land hergestellt werden, in dem die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards nicht oder nur teilweise gesichert ist. Für diese Beurteilung können Sie bestehende Indizes nutzen, die Länder je nach Thema in unterschiedliche Risikostufen einteilen.

Auch einzelne Branchen mit besonders hohen sozialen und ökologischen Risiken lassen sich identifizieren. So sind beispielsweise Branchen mit arbeitskräfteintensiven Produktionsprozessen wie die Textilbranche oder bestimmte Grundstoffindustrien wie der Bergbau stärker von Risiken betroffen als andere Bereiche.

Nutzen Sie dafür Informationen der nachstehenden Indizes. Tauschen Sie sich auch innerhalb der Branche beziehungsweise mit Ihrem Branchenverband aus.

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STRATEGIEN UND PLANUNG FÜR EINE NACHHALTIGE LIEFERKETTE

Um im Unternehmen eine nachhaltige und verantwortliche Beschaffung zu etablieren, ist es notwendig, eine Beschaffungsstrategie zu erarbeiten. Häufig wird dazu auch ein Verhaltenskodex („Code of Conduct“) erstellt. Strategie und Code of Conduct bilden den Rahmen für Ihre Einkaufsverantwortlichen und Ihre Zulieferer. Auf dieser Basis können sie dann die zu Ihrem Unternehmen passenden Strategien und Maßnahmen für eine nachhaltige und mit Verantwortung gemanagte Lieferkette entwickeln. […]

 

Entwickeln Sie eine Beschaffungsstrategie

Ihre Beschaffungsstrategie sollte klar feststellen, dass Sie mit einem nachhaltigen Beschaffungsmanagement das eigene Unternehmen stärken. Dazu müssen Sie definieren, welche Ziele verfolgt und welche sozialen und ökologischen Anforderungen in Zukunft an die Zulieferer gestellt werden.

Dazu gehören folgende zentrale Aspekte:

  • Beziehen Sie sich auf Ihre allgemeine Nachhaltigkeitspolitik und -strategie.
  • Machen Sie das Bekenntnis der obersten Führungsebene deutlich, dass Nachhaltigkeitskriterien bei der Beschaffung berücksichtigt werden müssen.
  • Benennen Sie auf den dafür notwendigen Ebenen Verantwortliche für die Umsetzung einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie.
  • Verweisen Sie auf Handlungsanweisungen, Regelungen und Dokumente, die als Standards für die Beschaffung Anwendung finden (z.B. Code of Conduct, Zertifzierungsstandards wie SA 8000).
  • Stellen Sie klar, wie strategische Ziele zu den operativen Tätigkeiten in der Beschaffung in Bezug stehen. Konkret bedeutet das auch, dass Sie Aussagen und Festlegungen dazu treffen müssen, wie Beschaffungskriterien wie Preis, Qualität, Verfügbarkeit sowie ökologische und soziale Kriterien zueinander gewichtet werden sollen.

 

Der Verhaltenskodex: Basis für Stratege und Umsetzung

Ein wichtiger Schritt zur Umsetzung Ihrer Beschaffungsstrategie ist in den meisten Unternehmen ein Verhaltenskodex zur nachhaltigen Beschaffung, oft auch als „Code of Conduct“ bezeichnet. Dieser Verhaltenskodex muss von den Lieferanten unterzeichnet und eingehalten werden. Nur so lässt sich die Grundlage dafür legen, dass die von Ihnen definierten sozialen und ökologischen Anforderungen auch als Verpflichtung für die Lieferanten verstanden wird.

Bei der Erstellung eines eigenen Verhaltenskodex sollten Sie sich auf bestehende internationale Normen beziehen, wie z.B.

  • UN-Menschenrechtserklärung
  • Arbeitsnormen der ILO, v.a. die 8 Kernarbeitsnormen
  • UN Global Compact
  • OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
  • UN-Konvention gegen Korruption
  • ISO 14001
  • EMAS
  • OHSAS 18001

Die Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO)

Die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation sind Sozialstandards im Rahmen der Welthandelsordnung, die menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen hinreichenden Schutz von Arbeitnehmern weltweit gewährleisten sollen. Sie existieren zum Teil schon seit mehr als 80 Jahren und wurden 1998 in einer Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) festgeschrieben.

·         Übereinkommen 29 – Zwangsarbeit

·         Übereinkommen 87 – Vereinigungsfreiheit und Schutz des Vereinigungsrechtes

·         Übereinkommen 98 – Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen

·         Übereinkommen 100 – Gleichheit des Entgelts

·         Übereinkommen 105 – Abschaffung der Zwangsarbeit

·         Übereinkommen 111 – Diskriminierung (Beschäftigung und Beruf)

·         Übereinkommen 138 – Mindestalter

·         Übereinkommen 182 – Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit

So finden Sie die richtigen Maßnahmen, um Risiken in Ihrer Lieferkette zu minimieren

Wenn Sie eine Beschaffungsstrategie und einen Code of Conduct haben, gilt es konkrete Maßnahmen zu erarbeiten und zu verabschieden, damit Sie Ihre Ziele auch erreichen. Dabei ist die Frage nach dem Risiko und der Bedeutung für das operative Geschäft der jeweiligen Beschaffung entscheidend. Je nachdem wie hoch das Risiko eingeschätzt wird, das sich bei bestimmten Lieferanten und Produkten ergibt, sollten unterschiedliche Maßnahmen festgelegt werden. Dies betrifft Maßnahmen in der Lieferkette selbst, aber auch im eigenen Unternehmen

Die Risiken in Ihrer Lieferkette können Sie anhand von folgenden Kriterien beurteilen:

  • Länderrisiko: Wird das Produkt in einem Land hergestellt, in dem die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards gefährdet ist?
  • Branchenrisiko: Ist die produktspezifische Branche dafür bekannt, dass soziale und ökologische Mindeststandards nicht eingehalten werden?
  • Bedeutung des Produkts: Wird das Produkt vom Endkunden mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht (beispielsweise durch eine Marke)?
  • Lieferantenrisiko: Wie hoch ist das Beschaffungsvolumen bei diesem Lieferanten und wie hoch der Anteil am Gesamtbeschaffungsvolumen Ihres Unternehmens? Welche Bedeutung haben die gelieferten Produkte für Ihr eigenes Unternehmen? Kennen Sie Alternativlieferanten?

In der Praxis genügt meist eine Einstufung des jeweiligen Risikos und der jeweiligen Bedeutung in „hoch“, „mittel“, „niedrig“ und „ohne Risiko“ bzw. „ohne Bedeutung“. Sie können somit eine Handlungsmatrix entwerfen. Je höher nun die Risiken bei den einzelnen Beschaffungsvorgängen eingeschätzt wird bzw. je höher die Bedeutung für den Geschäftsbetrieb ist, desto weitreichendere Maßnahmen müssen Sie in Angriff nehmen.

Die wichtigsten Schritte einer risikobasierten Maßnahmenplanung Risikobasierter Umfang
Verpflichtung des Lieferanten zur Einhaltung Ihres Code of Conduct Alle Lieferanten – unabhängig vom Risiko
Selbstbeurteilung des Zulieferers (Self Assessment) Alle Lieferanten ab geringem Risiko
Externe Beurteilung des Zulieferers, z.B. durch Auditierer oder durch Vorlage von entsprechenden Zertifikaten Alle Lieferanten ab mittlerem Risiko
Schulung der Zulieferer – selbst initiiert oder im Rahmen von Branchen-Initiativen Alle Lieferanten ab mittlerem Risiko
Beurteilung des Lieferanten vor Ort Alle Lieferanten ab hohem Risiko
Unterstützung des Lieferanten bei der Umsetzung notwendiger Korrekturmaßnahmen Alle Lieferanten ab hohem Risiko
Regelmäßige Durchführung von externen Audits des Lieferanten durch anerkannte Prüfgesellschaften und nach anerkannten Standards Alle Lieferanten ab hohem Risiko

 

Für Beschaffungsvorgänge mit hoher Bedeutung und gleichzeitig hohem oder sehr hohem Risiko empfiehlt es sich, alle aufgeführten Maßnahmen umzusetzen. Die Erfolgsaussicht bei der Durchsetzung dieser Maßnahmen hängt natürlich auch vom Einfluss Ihres Unternehmens auf den Zulieferer ab. Hier gilt: je mehr Sie bei einem Lieferanten einkaufen, desto größer ist auch Ihre Marktmacht. Wenn Sie sich einer bekannten und anerkannten Wirtschafts-Initiative mit den entsprechenden Nachweisen und Zertifikaten anschließen, haben Sie ebenfalls bessere Chancen, Ihre Anforderungen durchzusetzen.

Praxis-Tipp: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Beschaffungsstrategie auch wirklich gelebt und die geplanten Maßnahmen angegangen werden! Nur wenn das bei Ihren eigenen Mitarbeitern akzeptiert und umgesetzt wird, können Sie sicher sein, dass Ihr Engagement zum Nutzen Ihres Unternehmens wirkt. Beachten Sie daher diese 5 Tipps:

  • Klare Verantwortlichkeiten: Bestimmen Sie einen oder auch mehrere Experten für die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in die Beschaffung.
  • Klare Ziele: Verankern Sie die nachhaltigen Beschaffungsziele bei allen Mitarbeitern mit Einkaufsverantwortung in den individuellen Zielvereinbarungen. So entstehen die notwendigen Anreize zur Umsetzung.
  • Klare Informationen: Stellen Sie sicher, dass Ziele, Anweisungen und Daten möglichst entlang der gesamten Lieferkette zur Verfügung stehen.
  • Klare Integration: Berücksichtigen Sie Ideen der verantwortlichen Mitarbeiter bei Planung und Umsetzung Ihrer nachhaltigen Beschaffungsstrategie.
  • Klare Anweisungen: Schulen Sie Mitarbeiter, geben Sie wo immer nötig und möglich klare Anweisungen, um so die notwendigen Entwicklungen intern und bei Ihren Lieferanten zu ermöglichen.

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MAßNAHMEN FÜR EINE NACHHALTIGE LIEFERKETTE

Wenn Sie ein klares Bild von Ihrem Beschaffungsmanagement und Ihrer Lieferkette sowie eine effektive Strategie für eine nachhaltige Lieferkette entwickelt haben, müssen Sie die für die Umsetzung notwendigen Maßnahmen in die Wege leiten. […]

Im Wesentlichen geht es um 5 Erfolgsfaktoren:

Erfolgsfaktor 1: Verpflichten Sie Ihre Lieferanten auf verantwortungsvolle Standards

Mit einer Verpflichtung der Lieferanten auf Ihren Code of Conduct wollen Sie erreichen, dass sich möglichst alle Akteure in der Lieferkette auf die von Ihrem Unternehmen definierten sozialen und ökologischen Vorgaben verpflichten. Dafür ist es von entscheidender Bedeutung, dass Sie den Verhaltenskodex gegenüber den Zulieferbetrieben kommunizieren. Um Verbindlichkeit zu erreichen ist es ratsam, den Verhaltenskodex von den Lieferanten unterschreiben zu lassen. Oft wird der Verhaltenskodex auch direkt in den Liefervertrag integriert.

Erfolgsfaktor 2: Die Selbstbewertung der Lieferanten

Die Selbstbewertung ist eine Selbstauskunft des Lieferanten. Sie soll Ihrem Unternehmen dabei helfen einzuschätzen, inwiefern der Zulieferbetrieb Ihre Anforderungen in Bezug auf eine nachhaltige Beschaffung erfüllt. Die Selbstbeurteilung erfolgt normalerweise mittels eines Fragebogens. Verschiedene Standards und Initiativen haben als Teil ihres Auditsystems solche Fragebögen entwickelt (wie z. B. BSCI). Üblicherweise werden folgende Aspekte des Lieferanten abgefragt:

Generelle Informationen:

  • Eigentumsverhältnisse
  • Geschäftsleitung
  • Verantwortlicher für Standardumsetzung
  • Kontaktperson für nachhaltige Beschaffung im Zulieferbetrieb
  • Umsatz
  • Anzahl Mitarbeitende und Mitarbeiterstruktur, Produkte/Sparten

Angaben zu sozialen und ökologischen Themen:

  • Zertifizierte Managementsysteme
  • Aktuelle und vergangene Auditberichte
  • Auditierende Organisation(en)
  • Richtlinien und spezifische Fragen zu Leistung und Prozessen

Wichtig ist, dass Sie die schriftliche Selbstauskunft des Lieferanten nur als einen ersten Schritt verstehen. Die Selbstauskunft erfordert für Sie meist nur relativ geringen Aufwand. Für die Lieferanten ist es jedoch ein klares Signal, dass Nachhaltigkeit für Sie als Kunden ein wichtiges Thema ist.

Bevor Sie mit einem Lieferanten aus Risikoländern ein Geschäftsverhältnis eingehen, sollten Sie mindestens Ihren Code of Conduct kommuniziert und vom Lieferanten unterschrieben zurückbekommen haben, sowie eine Selbstbewertung des Lieferanten vorliegen haben.

Erfolgsfaktor 3: Die Schulung der Lieferanten

Um die Zulieferer mit den konkreten Anforderungen des Verhaltenskodex vertraut zu machen, genügen die Verpflichtung und die Selbstbeurteilung meist nicht. Es empfiehlt sich deshalb, eine Schulung der Zulieferer durchzuführen, in welcher den Zulieferern die einzuhaltenden Vorgaben erklärt werden. Gerade bei Lieferanten aus Schwellen‐ und Entwicklungsländern fehlt häufig das notwendige Wissen, um die Nachhaltigkeitsanforderungen umzusetzen. Deshalb ist es wichtig, die Lieferanten nicht nur durch Audits zu kontrollieren, sondern auch zu unterstützen.

Gerade hier können die bekannten Wirtschaftsinitiativen zur Durchsetzung von ökologischen und sozialen Standards in der Lieferkette helfen. Initiativen wie amfori/BSCI, Fair Labour Association und andere bieten vor Ort in den Risiko-Beschaffungsmärkten für mehrere Lieferanten gemeinsame Schulungen an. Aber natürlich können Sie auch durch eigene Experten oder geschulte Trainingsanbieter Ihre Lieferanten ganz individuell und auf die Anforderungen Ihres Unternehmens zugeschnitten, schulen.

Erfolgsfaktor 4: Das Audit

Mit einem Audit beim Lieferanten wird überprüft, ob dieser die im Verhaltenskodex geforderten Anforderungen erfüllt. Der wesentliche Unterschied zur Selbstbewertung ist, dass mit einem Audit eine Kontrolle vor Ort durchgeführt wird und diese Kontrolle weitaus umfangreicher als eine Selbstbewertung ist. Damit sind die dabei erhaltenen Informationen grundsätzlich verlässlicher, aber auch aufwändiger zu erheben.

Es wird zwischen unterschiedlichen Formen von Audits unterschieden, je nachdem von wem das Audit durchgeführt wird. Beim internen Audit erfolgt die Kontrolle durch einen dazu ausgebildeten Mitarbeiter des Lieferanten. Das Kunden‐Audit: wird durch einen dafür ausgebildeten Mitarbeiter Ihres Unternehmens durchgeführt. Beim unabhängigen Audit schließlich erfolgt die Kontrolle durch eine spezialisierte, unabhängige Organisation (Zertifizierungsgesellschaft). Wenn Sie sich einer der bekannten Wirtschaftsinitiative zur Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards anschließen, können Sie dabei auf akkreditierte Auditierungsgesellschaften zurückgreifen. Diese verfügen über erfahrene und der lokalen Sprache mächtigen Experten, die den jeweiligen lokalen Kontext und die besonderen kulturellen Begebenheiten in den einzelnen Risikoländern kennen.

Aber denken Sie auch daran: jedes Audit ist nur eine Momentaufnahme. Die Dokumente können nur stichprobenartig eingesehen werden. Ein einmal erhaltenes Auditergebnis muss regelmäßig und durch unangekündigte Besuche überprüft werden.

Um besonders wichtige Lieferanten nicht ohne Vorbereitung einem kostspieligen Audit zu unterziehen, ist es oft sinnvoll, vor Ort ein sogenanntes „Pre-Audit“ durchzuführen. Dabei kann eine Erfassung des Ist-Zustands vorgenommen und zugleich dem Zulieferer aufgezeigt werden, wie die jeweiligen Anforderungen erfüllt werden können. So hat der Zulieferer die Chance, vor einem externen Audit Verbesserungen einzuleiten.

Falls im Rahmen eines Audits ein Verstoß gegen ein lokales Gesetz oder gegen den vereinbarten Verhaltenskodex aufgedeckt wird, gilt es mit geeigneten Korrekturmaßnahmen den Missstand zu beheben. Je schwerwiegender der Verstoß gegen den gesetzten Standard ist, mit umso höherer Priorität muss der Verstoß behoben werden. In der Regel werden hier sog. Corrective Action Plans (CAP) von den Auditierern verfasst. Diese beinhalten die umzusetzenden Maßnahmen, einschließlich einer festgelegten Frist, zu der alle Verstöße behoben sein müssen. Mit einem Wiederholungs-Audit (Re-Audit) kann dann die Behebung der aufgedeckten Mängel zum festgelegten Zeitpunkt kontrolliert werden.

Nutzen Sie gerade bei Audits die Unterstützung bekannter und etablierter Initiativen zur Durchsetzung von Umwelt- und Sozialstandards. Vor allem als KMU würden Sie sich sonst unendlich schwer tun, wirklich wirksame Audits bei Ihren unterschiedlichen Lieferanten in verschiedenen Beschaffungsmärkten ohne überbordenden Aufwand und aus dem Ruder laufenden Kosten durchzuführen.

Erfolgsfaktor 5: Das Monitoring und die Berichterstattung

Nach all den vorhergehenden Schritten ist es entscheidend, dass Sie den Erfolg Ihrer Anstrengungen auch kontrollieren und messen. Denn nur so können Sie auch Fortschritte in der Umwelt- und Sozial-Performance Ihrer Lieferanten aus eher kritischen Beschaffungsländern nachvollziehen und dokumentieren. Dafür brauchen Sie vor allem zu Ihrem Unternehmen passende Kennzahlen und Indikatoren.

Beispiele für hilfreiche und wichtige Indikatoren:

  • Prozentsatz der Zulieferbetriebe der ersten Zulieferstufe, bei denen die Produktionsstätte/n bekannt ist/sind
  • Prozentsatz der Lieferanten, welche Code of Conduct unterzeichnet haben
  • Prozentsatz der Lieferanten mit ausgefüllter Selbstbewertung
  • Aufwand (Zeit und Geld) für durchgeführte Schulungen von Lieferanten sowie von eigenen Mitarbeitern
  • Anzahl durchgeführter Audits
  • Anteil der bestandenen Audits sowie der Audits, die wichtigen Verbesserungsbedarf aufgezeigt haben oder gar mit kritischen Ergebnissen bewertet wurden
  • Umsatz der Waren, die nach dem Code of Conduct hergestellt wurden

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WIRTSCHAFTSINITIATIVEN FÜR EINE NACHHALTIGE LIEFERKETTE

Häufig schließen sich Unternehmen bestimmten Branchen-Initiativen an, die zum Ziel haben, ökologische und soziale Standards in der Lieferkette bekanntzumachen und schließlich auch durchzusetzen. Damit können Sie den Aufwand für die Erstellung eines eigenen Code of Conduct und noch mehr bei der Erstellung detaillierter Vorgaben für die Lieferanten reduzieren. Auch für Lieferanten ist das von Vorteil, denn so müssen sie nicht unterschiedliche Anforderungen der verschiedenen Kunden erfüllen, sondern sehen sich mit branchenweit einheitlichen Anforderungen konfrontiert. […]

Einige der bekanntesten Wirtschafts-Initiativen zur Durchsetzung von ökologischen und sozialen Standards in der Lieferkette sind folgende:

  • Fair Wear Foundation (FWF) für Textilunternehmen
  • Amfori/BSCI für Einzelhändler und Markenartikler
  • ICTI-CARE Code of Business Pracices
  • EICC Code of Conduct
  • Fair Labour Association Code of Conduct
  • TogetherForSustainability (europäische Chemieindustrie)

Diese Wirtschafts-Initiativen verfügen nicht nur über einen „Muster-Code-of-Conduct“, sondern meist auch über detaillierte Beschreibungen von Anforderungen, Vorgaben für Umsetzung und Kontrolle der notwendigen Maßnahmen sowie Regelungen für Sanktionen gegenüber nicht verbesserungswilligen oder -fähigen Lieferanten und für Krisenkommunikation. All diese Informationen und Unterlagen können Sie sowohl für Ihre eigenen Mitarbeiter als auch für Ihre Lieferanten als Handlungsanweisungen und Regelungen einsetzen.

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ARBEITSHILFEN ZUR GESTALTUNG EINER NACHHALTIGEN LIEFERKETTE

Neben den Unterlagen der bekannten Branchen-Initiativen zur Verbesserung ökologischer und sozialer Standards in der Lieferkette gibt es auch noch Arbeitshilfen, die speziell für KMU entwickelt wurden.

Link/Verweis auf die Unterlagen des IZU (Informationszentrum Wirtschaft Umwelt) im Rahmen des Umweltpakts Bayern.

https://www.umweltpakt.bayern.de/werkzeuge/nachhaltigkeitsmanagement/lieferkette/index_arbeitshilfen.htm

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